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Die schönste Zeit im Jahr

… und wenn sie zur Belastung wird


Bild von Dagmar auf pixabay

Endlich ist sie wieder da, diese besondere Zeit im Jahr. Wir schmücken Bäume, Häuser und Räume mit Lichtern, backen (oder kaufen) Kekse, überlegen uns Geschenke für unsere Liebsten. Es weihnachtet. Aber nicht jeder sieht voller positiver Aufregung und Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Für viele weckt das Fest Erinnerungen an Zeiten, in denen das Leben anders war, in denen ein geliebter Mensch noch da war, in denen die Familie noch intakt war, in denen eine bestimmte Situation noch besser war.


Warum erinnern uns gerade Feiertage so schmerzhaft an erlebte Verluste?

„Unsere Traditionen geben uns Sicherheit, stärken unser Vertrauen und verbinden uns enger miteinander.”

Wir Menschen sind soziale Wesen, eingebettet in ein Zusammenleben mit anderen. Und wir sind Lebewesen, die Routinen ausbilden, die irgendwann zu einer Tradition werden, zu einer lieb gewonnenen festen, wiederkehrenden Abfolge von Tätigkeiten oder Situationen. Das gibt uns Sicherheit, stärkt unser Vertrauen und verbindet uns enger miteinander. Wie viele von uns leben am Weihnachtstag seit Jahren (oder Jahrzehnten) den gleichen Ablauf, tun dasselbe, treffen dieselben Menschen, essen dasselbe Abendessen, singen die gleichen Lieder?


Wenn dann eine Situation eintritt, die diese Tradition maßgeblich verändert, ist das für uns besonders schwer. Das erste Weihnachten ohne den Partner, ohne einen Elternteil, in einer neuen Wohnsituation… all das geht uns besonders nahe. Auch wenn man einen Veränderungsprozess eigentlich schon abgeschlossen hat, einen Verlust schon betrauert hat: steht Weihnachten vor der Tür (oder ein anderer wichtiger Anlass im Jahresverlauf wie Geburtstage, Jahrestage usw.), ist auf einmal alles wieder da.


Nicht immer geht es jedoch um einen Verlust oder um Trauer.


Für viele von uns geht es gerade um die oben beschriebenen Traditionen, die die Feiertage und vor allem die Vorweihnachtszeit schwierig machen. Eine Tradition ist immer auch mit einem empfundenen optimalen Bild verbunden, mit ungeschriebenen Gesetzen, die stark von unserer Sozialisation, unserer Herkunftsfamilie und unserem Umfeld abhängen: man muss Kekse backen, mindestens sieben verschiedene Sorten, man muss das Haus oder die Wohnung putzen und dekorieren, man muss Weihnachtsmärkte besuchen, man muss für jeden das passende Geschenk aussuchen, man muss mit den Kindern basteln… man muss… und bei all dem hat man glücklich und ausgeglichen zu sein. Schließlich geht es um die schönste Zeit im Jahr! Und selbstverständlich hat das ganz leichtfüßig neben dem „normalen“ Alltag zu funktionieren. Gerade jetzt soll doch alles perfekt sein. Speziell für jüngere Menschen kommt noch ein weiterer Maßstab zum Tragen, an dem man das Gefühl hat, sich messen zu müssen, nämlich die vermeintlich perfekten Bilder, die uns Social Media und Co suggerieren. Mit so viel Druck auf den Schultern, ist es da überraschend, dass es in vielen Familien und bei vielen Paaren gerade zu Weihnachten Streit gibt?


„Nimm dir die Zeit, um herauszufinden, was DU brauchst, um die Feiertage genießen zu können!”

So weit soll es nicht kommen, denn Weihnachten ist und bleibt eines der schönsten Feste, wenn es uns dazu bewegt, besinnlicher zu werden, mehr Zeit für uns selbst und unsere liebsten Menschen zu haben, ruhiger zu werden, das Leben zu genießen. Nimm dir die Zeit für dich, um herauszufinden, was du brauchst, um die Feiertage genießen zu können. Fürchte dich nicht vor dem ersten Weihnachten ohne einen geliebten Menschen oder im neuen Zuhause, sondern lass dich dabei begleiten, herauszufinden, wie deine neue Tradition aussehen soll, wie du aber auch bewusst der Trauer einen bestimmten Raum geben kannst, weil sie eben auch dazu gehört. Oder lass dich dabei begleiten, herauszufinden, was Weihnachten für dich bedeutet – und was nicht, was dir Bilder von außen vorgeben möchten. Finde heraus, was du daher mit ruhigem Gewissen einfach nicht mehr machen möchtest. Schenke dir selbst diese Zeit und diese Aufmerksamkeit. Wir Lebens- und Sozialberater:innen begleiten dich gerne dabei!

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